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Aus dem Zufall geboren, hat Headis heute fast die halbe Welt erobert. René Wegner erzählt im Interview, wie man eine Sportart erfindet und sie zum Trend macht.

Von Julia Klassen

 

In Südafrika kennt man es, in der Dominikanischen Republik auch. In Brasilien köpfen sich Kinder den Ball über eine Platte zu, ebenso wie in Tschechien, in der Schweiz, in den Niederlanden oder der Slowakei. Und natürlich in Deutschland. Headis heißt die Sportart, die sich 2006 auf den Weg gemacht hat, die Welt zu erobern. Begonnen hat alles in der „Wesch“, wie die Kaiserslauterer ihr Freibad im Eselsbachtal nennen. Dort wollte René Wegner mit seinen Freunden Fußball spielen. Weil aber der Bolzplatz belegt war, köpften sie den Ball einfach über eine freie Tischtennisplatte. Und siehe da – das machte Spaß. Der Sportstudent merkte schnell, dass diese Mischung aus Kopfballspiel und Tischtennis Potenzial hat. Mit einigen Kommilitonen entwickelte er das Spiel weiter – eine Trendsportart war geboren.

Über Hochschulsportangebote an Unis und soziale Medien verbreitete sich der Sport schnell in ganz Deutschland. Der TV-Entertainer Stefan Raab präsentierte Headis in seinen Shows dem ganz großen Publikum und nicht nur die Fußballprofis von Arsenal London kennen den Trendsport aus Deutschland – auch dank eines komplexen Event- und Marketingkonzepts.  Es gibt Weltcup-Wettbewerbe und Weltmeisterschaften. Rund 100 000 Menschen spielen mittlerweile regelmäßig mit ihrem Köpfchen.

Im Interview erzählt René Wegner, dessen Doktorarbeit „Die Entwicklung von Trendsportarten“ thematisiert,  wie er es geschafft hat, Headis international bekannt zu machen.

 

 

René, wie erfindet man eine Sportart?

Am Anfang war es Zufall. Wir haben uns mit dem Spiel die Zeit vertrieben und schnell gemerkt: Hey, das macht echt super viel Spaß. Das Potenzial dieser Sportart haben wir direkt gesehen. Aber dass sie einmal so bekannt werden würde, haben wir natürlich noch nicht gedacht.

 

Wie ging es weiter?

Damals habe ich in Saarbrücken Sport studiert und nebenher haben wir die Sportart weiterentwickelt und uns die Regeln ausgedacht. En damaliger Dozent meinte dann zu mir, wenn ich schon so einen Quatsch mache, dann solle ich es auch jemandem beibringen. Wenig später hatte ich also eine Hallenzeit und unterrichtete ein paar Studenten.  Dann wurde Headis durch Freunde und Ex-Kommilitonen nach Köln und Göttingen weitergetragen, die an ihrer Uni ebenfalls Kurse angeboten haben. Immer mehr Unis sind auf den Zug aufgesprungen und bald haben wir an der Sporthochschule Köln das erste große Turnier ausgerichtet.

 

Welches der Öffentlichkeit nicht verborgen blieb...

Das war 2008, ich bekam plötzlich eine E-Mail von einem Mitarbeiter von Stefan Raab, in der ich zu seiner Sendung „TV Total“ eingeladen wurde. Ich dachte erst, das sei ein Fake, habe dann aber die Nummer angerufen und zwei Tage später saß ich im Studio. Das war natürlich ein absoluter Glücksfall für die Verbreitung der Sportart. Danach waren wir zwei Mal bei „Schlag den Raab“, zwei Mal bei „Schlag den Star“ und TV-Total sendete mehrere Headis-Spezialsendungen mit Prominenten.

 

Auch mehrere Fußball-Profimannschaften haben schon Headis gespielt.

In einer Studie mit der Jugend von Kaiserslautern haben wir untersucht, ob Headis auch das Kopfballspiel verbessert. Danach haben wir mit Schalke, Darmstadt, Kaiserslautern, Mainz und Gladbach zusammengearbeitet. Das hat die Medienaufmerksamkeit und damit  unsere Reichweite zusätzlich erhöht.

 

Im Jahr 2010 wurde das Headis-Konzept sogar auf der ISPO mit dem Brandnew-Award ausgezeichnet, war das der Ritterschlag?

Das hat uns natürlich nochmals ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Wir haben unsere Chance gesehen.

 

Wie viele Leute waren an diesem Prozess beteiligt?

Wir wurden immer von sehr vielen Menschen unterstützt. Von Kumpels aus dem Studium, aber auch von Freunden, die ich von meiner Skater-Karriere her kannte. Alle waren ehrenamtlich, aber mit viel viel Freude und Spaß dabei und haben geholfen, den Sport populärer zu machen. Heute besteht die Headis-Crew aus vier festen Leuten und ganz vielen Unterstützern.

 

Du hast dein Hobby zum Beruf gemacht. Besser geht es nicht, oder?

Jeder Tag ist einfach so der Hammer. Es macht so viel Spaß, arbeiten zu gehen. Erst jetzt in der Corona-Zeit, wo wir zum ersten Mal mehr als acht Wochen am Stück kein Turnier ausrichten konnten, ist mir so richtig bewusst geworden, was wir eigentlich geschafft haben. Und ich bin mir sicher: Es ist noch lange kein Ende in Sicht. Die Erfolgsgeschichte wird weitergehen.

 

Wo siehst du Headis in zehn Jahren?

Das ist eine Frage, die mir von Beginn an gestellt wurde und bislang traf alles, was ich in der Vergangenheit darauf geantwortet habe, auch ein. Ich sehe, dass die Sportart noch so viel Potenzial hat und sich international noch weiter verbreiten wird. Ich denke, irgendwann wird es Profiligen geben mit Spielern, die von Headis leben können.

 

Headis wird mittlerweile an 20 Universitäten in Deutschland regelmäßig gespielt. Gibt es auch Vereine, die die Sportart anbieten?

Vorab: Man muss nicht Mitglied in einem Verein sein, um an unseren Turnieren teilzunehmen. Das macht es einfacher, Teilnehmer zu finden. Trotzdem gibt es mittlerweile mehrere Vereine, wie zum Beispiel Darmstadt 98 oder der 1. FC Kaiserslautern die eigene Headis-Abteilungen haben.

 

Müssen sich Vereine mit euch abstimmen, wenn sie Headis anbieten wollen?

Das müssen sie nicht, sie können es auch einfach mal machen. Aber wir stehen als Verband natürlich gerne mit Rat und Tat zur Seite, auch wenn es darum geht, das neue Angebot über unsere Kanäle publik zu machen.

 

Headis macht nicht nur Spaß, Headis hilft auch. Mit „Headição –Balls & Colorz for the World” seid ihr international dort unterwegs, wo die Menschen es besonders schwer haben. Wie ist dieses Hilfsprojekt entstanden?

 

Die Idee dazu gab es schon sehr lange. Ende 2014 waren die Strukturen geschaffen, um das Headis-Charity-Projekt ins Leben zu rufen. Es geht darum, benachteiligten Kindern in den ärmeren Regionen der Welt die Möglichkeit zu geben, sich sportlich auszuleben. Kinder und Jugendliche können zusammen etwas Neues lernen und sich kreativ entfalten. Konkret werden vor Ort aus Regentonnen und Sperrholz gemeinsam mit den Menschen vor Ort Tischtennisplatten gebaut und Headis-Workshops gegeben. Im Anschluss werden die Betreuer mit ausreichend Material versorgt, um das Sportangebot auch ohne das Headis-Team fortzuführen. Begonnen hat das Projekt in Brasilien, mittlerweile waren wir in der Dominikanischen Republik, haben Flüchtlingsprojekte in Deutschland umgesetzt und in Südafrika mehrere Schulen erreicht. Wer helfen möchte, findet hier weitere Informationen zu Headição. https://www.headicao.com/

 

Alle Infos zu Headis gibt es hier: https://headis.com/de/

 

Eine Kostprobe aus Stefan Raabs Headis Spezial gibt es hier: https://www.youtube.com/watch?v=k8XoaJNsVdE

 


 

Headis – die Regeln

Gespielt wird im Eins-gegen-Eins an einer normalen Tischtennisplatte mit einem 100 g schweren Gummiball mit 50 cm Umfang, welcher eigens für die Sportart entwickelt wurde. Der Ball wird ausschließlich mit dem Kopf über das Netz befördert und kann dabei einmal auf der eigenen Platte aufkommen oder direkt gespielt werden – außer bei der Angabe. Es ist erlaubt, auf die Platte zu steigen. Allerdings muss nach jedem Ballwechsel der Boden berührt werden. Es gelten offiziell zwei Gewinnsätze. Ein Satz gilt als gewonnen, wenn ein Spieler zuerst 11 Punkte erreicht hat. Haben beide Spieler 10 Punkte erreicht, gewinnt derjenige, der zuerst zwei Punkte Vorsprung hat.

 

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