Bundestagung mit Enttäuschungen

Aus NTB-Sicht in Teilen enttäuschend verlief die Bundestagung Orientierungslauf am Wochenende in Lautertal bei Coburg. Vor allem beim Thema Startrecht fand die niedersächsische Sicht der Dinge keine Mehrheit. Positiv hingegen waren die aufgezeigten Perspektiven im Leistungssport.

Gegen die Stimmen von Niedersachsen und Schwaben - den beiden größten Landesturnverbänden - sowie Westfalen sprach sich die Bundestagung mit 13 Ja-Stimmen bei vier Enthaltungen dafür aus, ab dem Jahr 2019 bei Bundesveranstaltungen die Startlizenzen des Deutschen Orientierungssport-Verbandes (DOSV) anzuerkennen. Ab dem Jahreswechsel gilt im Turner-Bund ein neues Startpasswesen, das bis auf Kreisebene greift.

DOSV-Präsident Achim Bader betonte am Rande der Bundestagung, dass es keinesfalls um eine Spaltung des deutschen Orientierungslaufs ginge. Unbestritten ist aber, dass nach dieser Beschlussempfehlung bei Bundesveranstaltungen wie Deutschen Meisterschaften oder Bundesranglistenläufen Teilnehmer in die Wertung kommen würden, die entweder einen Turner-Bund-Startpass oder eine DOSV-Startlizenz besitzen.

Rechtsgültig ist dieses Votum allerdings noch nicht. Die Bundestagung Orientierungslauf hat empfehlenden Charakter. Ihre Vorlagen müssen noch vom zuständigen Bereichsvorstand Sportarten-Entwicklung im Deutschen Turner-Bund (DTB) abgesegnet werden. Die Bundestagung setzt sich zusammen aus allen Mitgliedern des Technischen Komitees Orientierungslauf im DTB sowie sämtlichen Landesfachwarten.

Noch nicht entschieden ist die Startrechts-Regelung bei Mannschaftswettbewerben. TK-Vorsitzender Steffen Lösch erläuterte, dass mit dem DTB abgestimmt sei, dass im Orientierungslauf eine eigene Regelung getroffen werden darf. Zum Vergleich: Im Geräteturnen gibt es zum Beispiel ab 2019 ein Startrecht Einzel und ein extra zu zahlendes Startrecht Mannschaft. Die auf der Bundestagung angestrebte Lösung, soll unter einem allgemeingültigen Startrecht für alle vier Orientierungssport-Disziplinen (Fuß, Ski, Bike und Trail) in einer zunächst einjährigen Testphase dem jeweiligen Wettkämpfer eine freie und unbefristete Wahl lassen, sich während der Saison individuell zu entscheiden, bei welchem Teamwettkampf er für welchen Verein startet. Eventuell könnte diese Vereinbarung in soweit reglementiert werden, dass mehr als die Hälfte eines Teams dem Stammverein angehören muss. Eine endgültige Entscheidung will die Bundestagung im Umlaufverfahren bis Anfang des Jahres fällen. Denn bereits am 26./27. Januar 2019 stehen mit BRL und DM im Ski-Orientierungslauf die ersten nationalen Wettkämpfe an.

Zur Kenntnis wurde der Bundestagung gebracht, dass der DOSV im kommenden Jahr zwei Deutsche Meisterschaften ausrichtet. Die in diesem Jahr verabschiedete Vereinbarung zwischen DTB und DOSV ermöglicht es, dass der DOSV neue Wettkampfformate ausprobieren kann und Veranstaltungen übernimmt, wenn sich kein Ausrichter findet. Im ersten Fall handelt es sich um die Sprintstaffel, die 2019 erstmals als DM im DOSV ausgetragen wird. Im zweiten Fall handelt es sich um die Ultralangdistanz, die in den letzten zehn Jahren als Deutsche Bestenkämpfe im DTB ausgetragen wurde und 2019 eine DM im DOSV ist. Bei beiden Veranstaltungen sind auch Wettkämpfer, die einen Turner-Bund-Startpass besitzen, startberechtigt.

Erfreuliche Nachrichten gab es zum Thema Leistungssport. Auch wenn im Orientierungslauf das vom Deutschen Olympischen Sport-Bund (DOSB) geforderte Konzept für die Leistungssportreform nicht sehr transparent ausgearbeitet wurde, schenkte die Bundestagung dem Verfasser Thomas Meier das Vertrauen und wählte ihn zum neuen TK-Mitglied für Leistungs- und Nachwuchsförderung. Durch die Reform sollen olympische und nicht-olympische Sportarten gefördert werden. Bis zu den nächsten World-Games im Jahr 2021 könnten dem Orientierungslauf im Leistungssportsektor auf Bundesebene jährlich bis zu sechsstellige Summen für die Arbeit im Bundeskader zusätzlich zur Verfügung stehen. Der vormalige niedersächsische Landesfachwart Orientierungslauf, André Kwiatkowski, hat in seiner neuen Position als Vizepräsident des Landes-Sport-Bundes bei der zeitgleich in Düsseldorf tagenden DOSB-Mitgliederversammlung Niedersachsens Zustimmung zur Reform signalisiert. Das Landeskabinett hat zudem am Dienstag den Weg frei gemacht zum Abschluss einer Bund-Länder-Vereinbarung zur Finanzierung der Leistungssportreform.

Eike Bruns

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