Auf wechselnden Pfaden

Pilgern zu den Heideklöstern hatten wir uns vorgenommen. Fast wäre dieses Vorhaben an dem Sturmtief Xavier gescheitert, das einen Tag zuvor über Norddeutschland wegfegte.

Am Freitag trafen wir uns mit unserer Pilgerbegleiterin Helga Thon und unserer Wanderschwester Gisela J.-P. in Artlenburg; Olli hatte den Auto-Begleitservice übernommen. Wir begannen unsere Pilgertour per Fahrrad mit einer kleinen Andacht in der St. Nikolaikirche. Unter dem Motto „Herbstzeit – Reifezeit“ brachen wir auf und ließen den Alltag hinter uns. Durch die Lüneburger Elbmarsch und entlang der Neetze erreichten wir bald das Dorf St. Dionys mit der St. Dionysius-Kirche. Bereits im Jahre 795 soll sie durch Karl den König der Franken 5 Jahre vor seiner Kaiserkrönung gegründet worden sein. Im dortigen Gemeindehaus konnten wir zur Mittagspause einkehren. Danach fuhren wir auf aufgeweichten Wegen zum Bardowieker Dom St. Peter und Paul. Diese gotische dreischiffige Hallenkirche mit gedrungenen achteckigen Türmen wurde zwischen 1389 und 1485 erbaut. Wenige km weiter erreichten wir den St. Nikolaihof, einen unter Denkmalschutz stehenden historischen Gebäudekomplex mit erwähnenswertem altem Baumbestand. Bei der Führung in der Kapelle erhielten wir einen Eindruck von dem Leben im „Haus der armen Kranken“. Hier wurden die Leprakranken der Stadt Lüneburg Mitte des 14. Jahrhunderts untergebracht Kurz vor 18 Uhr fuhren wir in das Kloster Lüne ein, wo wir unsere Fahrräder im Klosterkomplex über Nacht lassen konnten. Für uns ging die Fahrt mit Autos weiter ins Quartier nach Bienenbüttel.

Am Samstag – den ganzen Tag Nieselregen – begannen wir im Kloster Lüne mit einer Führung und anschließender Morgenandacht im Nonnenchor. Dann sattelten wir unsere Räder und erreichten bald die Salz- und Hansestadt Lüneburg. Nach kurzer Stadtrundfahrt kamen wir „Am Sande“ und an der ältesten Kirche der Stadt Lüneburg an. Die evangelisch-lutherische Hauptkirche St. Johannis ist eine fünfschiffige gotische Hallenkirche mit einem der höchsten Kirchtürme Niedersachsens, dessen Turmspitze 220 cm aus dem Lot geraten ist. Nachdem wir die Stadt hinter uns gelassen hatten, erreichten wir die Erlenbruchwälder an der Ilmenau. Hier waren einige Wege wegen Sturmschäden gesperrt. Bei einer Einkehr in der Gaststätte Roten Schleuse konnten wir uns etwas aufwärmen. Ein Picknick im Mehlbecker Feuerwehrunterstand stärkte uns später für den restlichen Weg bis Bienenbüttel, der entlang der Straße sowie neben der Ilmenau dahinführte und auch einen Skulpturenpfad streifte. In der Michaeliskirche hielt Helga die Abendandacht. Der Abend klang in gemütlicher Runde aus.

Am Sonntagmorgen war das Wetter freundlicher. In der ca. 2 km hinter Bienenbüttel gelegenen schönen Feldsteinkirche zu Wichmannsburg begann unser letzter Pilgertag mit einer kurzer Andacht. Auf Radwegen, die nun von der Ilmenau weg führten, machten wir uns auf zum Kloster Medingen. Bei der Führung durch das nach einem Brand im 18. Jahrhundert im spätbarocken und teils im klassizistischen Stil wieder errichtete Ensemble erfuhren wir viel über die Ursprünge des Klosters (Anfang des 14. Jahrhunderts), das seit 1559 ein ev.-luth. Damenstift ist. Nach kurzer Andacht in der Klosterkirche begaben wir uns auf die letzte Etappe unseres Pilgerweges und kamen glücklich in der Kirche in Barum an. Nach der Schlussandacht überraschte uns unser Begleitserviceteam im Gemeindehaus mit einer kleinen Stärkung für die Heimfahrt.

Auf wechselnden Pfaden sind wir einen Teil auf der Via Scandinavia unterwegs gewesen, haben viel gesehen und erlebt, zwischendurch auch gesungen und meditiert. Trotz des widrigen Wetters hat es allen Spaß gemacht, so dass wir gestärkt in den Alltag zurückkehren konnten. Vielen Dank an die Organisatoren.

(U. Runge)

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