Gesundheitssport

Was ist das eigentlich?

Unsere veränderten Lebensbedingungen erfordern eine besondere gesellschaftliche Beachtung des Themas Gesundheit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bereits 1986 in ihrer Ottawa Charta "Gesundheit für Alle" zu einem weltweiten Ziel erklärt. Mit der Verabschiedung der "Gesundheitspolitischen Konzeption" im Dezember 1995 haben der Deutsche Sportbund und seine Mitgliedsorganisationen den Bereich "Sport und Gesundheit" zu einer zentralen Zukunftsaufgabe der Verbände und der Vereine erklärt. Auf der Grundlage der Forderung aus der Ottawa Charta, möglichst alle Menschen zu befähigen, ihr Gesundheitspotenzial so gut wie möglich auszuschöpfen, wurde die Verpflichtung eingegangen, mittelfristig eine entsprechende Qualität der Angebote und der Ausbildung zu sichern.

Der Deutsche Turner-Bund (DTB) setzte mit seinem "Schwerpunktprogramm Gesundheitssport" 1996 Maßstäbe, die in der Broschüre "Gesundheitsförderung und Gesundheitssport im DTB" zusammengefasst sind. Hier wurden als Gestaltungsschwerpunkte im Gesundheitssport u.a. eine differenzierte Bewertung vorhandener Angebote sowie eine schrittweise Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung gefordert.

Seit dem Jahre 1999 bietet die erneute Änderung des § 20 SGB V wieder Möglichkeiten zur Kooperation mit den Leistungsträgern des Gesundheitswesens, allerdings auf der Grundlage veränderter Ausgangsbedingungen: Maßnahmen in der Gesundheitsförderung setzen nun, ähnlich den Maßnahmen im medizinischen Bereich, Qualitätsstandards sowie Qualitätssicherungen sowohl im Hinblick auf die Prozess- als auch im Hinblick auf die Effektqualität voraus.

 

Sportliche Aktivität und Gesundheit: Eine nicht unproblematische Beziehung

Bei Befragungen von sportlich Aktiven wird "Gesundheit" durchgängig als eines der Hauptmotive benannt. Aber auch sportlich Inaktive geben mehrheitlich an, dass sie eigentlich Sport treiben sollten, um damit etwas für ihre "Gesundheit" zu tun. Schließlich gehört "Gesundheit" zu den zentralen Begründungen für die gesellschaftliche Förderung von sportlichen Aktivitäten, sei es als verpflichtender Bestandteil des Schulsports oder als steuerfreies Angebot von Sportvereinen.

Allerdings ist nicht jede sportliche Aktivität gleichermaßen gesund. Gesundheit ist z.B. kein primäres Ziel für die wettkampfzentrierten Sportarten, die sich in die Tradition der etwa in der Mitte des letzten Jahrhun­derts in England entstande­nen "sports" einordnen lassen - also z.B. Fußball, Handball, Tennis, Leichtathletik, Gerätturnen. Zentrales Merkmal dieser "sports" ist der Leistungsvergleich im Wettkampf. Für die bestmögliche Leistung im Wettkampf oder auch für den Rekord werden u.a. Verletzungen oder auch Trainingsbelastungen, die zu gesundheitlichen Schädigungen führen können, bewusst in Kauf genommen. Eine primäre Gesundheitsorientierung würde den Wettkampfsport um wesentliche Sinnperspektiven ärmer machen.

Trotzdem kann auch die auf die Idee des Wettkampfes zentrierte sportliche Aktivität unter bestimmten Bedingungen, im Hinblick auf spezifische Gesundheitsaspekte, für bestimmte Personen "gesund" sein. Dies gilt z.B. für das Kind, das in seiner Wettkampfmannschaft "soziale Einbindung" erlebt; dies gilt z.B. für den Jugendlichen während der Pubertät, der durch Training und Wettkampf einen "positiven Bezug zu seinen neuen Körperproportionen" entwickelt; dies gilt z.B. für die erwachsene Tennisspielerin, für die die beim Match erlebte "Spannung" eine wichtige Quelle ihres Wohlbefindens darstellt; dies gilt z.B. für jene jugendlichen und erwachsenen Aktiven, die in einem gut aufgebauten wöchentlichen Training systematisch ihre Ausdauer, ihre Kraft und ihre Beweglichkeit trainieren und damit ihren Körper an entsprechende Belastungen anpassen.

Solche systematischen Belastungen sind zentrales Ziel jener sportlichen Aktivitäten, die sich in die Tradition der "Gymnastik" einordnen lassen. U.a. sollen die Übungen der Gymnastik die Ausbildung der physischen Ressourcen und damit die Fitness begünstigen - weitergehend aber auch das Wohlbefinden sowie die Figur bzw. das Aussehen. Als moderne Ausprägungsformen gymnastischer Übungen haben Fitness- und Wellness-Aktivitäten unter den vielfältigsten Bezeich­nungen bei den unterschiedlichen Sportan­bietern einen wahren Boom bewirkt: Vom "Jog­ging" und "Walking" über die "Step-Aerobic" und das "Body-Shaping" bis hin zum "Slow-Stretch" und "Vital-Training" reicht die Palette dieser Angebote.

In den gleichen Trend einzuordnen, wenn auch auf andere Zielgruppen ausgerichtet, sind solche Angebote, die Hilfen bei der Bewältigung von Beschwerden, von Risikofaktoren oder auch bei der Therapie von Erkrankungen versprechen. Z.B. signalisieren Angebote wie Rückenschule, Rückengymnastik oder Rückenaerobic Hilfe für jene Gruppe, die zumindest sporadisch von Rückenproblemen geplagt wird - d.h. für etwa 60 bis 80 % der Erwachsenen in Deutschland.

Allerdings gilt auch für dieses Spektrum gymnastischer Aktivitäten die Aussage, dass sie nur unter bestimmten Bedingungen, im Hinblick auf bestimmte Gesundheitsaspekte und für bestimmte Personen "gesund" sind. Z.B. verbessert nicht jede Aerobic bei allen Teilnehmern automatisch die Stimmung und Läufer werden vorhandene Rückenprobleme behalten, wenn sie nicht gleichzeitig regelmäßig adäquate Dehn- und Kräftigungsübungen durchführen.

Bereits eine solche grobe Differenzierung verschiedener Aktivitäten, die heute alle als "sportliche" bezeichnet werden, zeigt plausibel, dass Facetten des "Sports" mit Facetten der "Gesundheit" in Zusammenhang stehen können oder auch nicht. Die vorliegenden Forschungsergebnisse machen dabei deutlich, dass positive Zusammenhänge zwischen sportlicher Aktivität und Gesundheit dann wahrscheinlicher sind, wenn durch spezifische Gestaltun­gen der sportlichen Aktivität (z.B. durch eine Belastungssteuerung) auf spezifische Aspekte der Gesundheit (z.B. ein funktionstüchtiges Herz-Kreislaufsystem) gezielt wird.

So kann es etwa als gesichert gelten, dass unter der spezifischen Voraussetzung eines wöchentlichen Energieverbrauchs durch Muskelaktivität von etwa 1000 kcal u.a. Herz-Kreislauf-Risiken reduziert, weniger Beschwerden wahrgenommen und die Zufriedenheit mit der eigenen Gesundheit verbessert werden. Diese auf den Verbrauch an zusätzlicher Energie durch körperlich-sportliche Aktivität abzielenden Studien stehen in der Tradition der Arbeiten von Kenneth Cooper, Ralph Paffenbarger und Steven Blair. Die Forscher gehen davon aus, dass durch moderate körperlich-sportliche Aktivität ca. 400 kcal/Stunde verbraucht werden. Ein wünschenswerter Energieverbrauch von 1000 kcal/ Woche bedeutet dementsprechend z.B. fünfmal eine halbe Stunde Walking oder Jogging pro Woche.

 

Zusammenfassend sind Zusammenhänge zwischen einzelnen Merkmalen der physischen, psychischen und sozialen Gesundheit und den speziellen Bedingungen, unter denen die sportlichen Aktivitäten durchgeführt werden, nachweisbar. Dies bedeutet aber, dass sich Gesundheit bei sportlicher Aktivität nicht „automatisch einstellt“. Wichtig ist insbesondere eine konsequente Orientierung der Gestaltung an gesundheitsrelevanten Zielen sowie eine effektive Qualitätssicherung.

 

Gesundheitssport und Gesundheitssportprogramme: Ziele und deren Umsetzung

Mit der "Charta der 1. Internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung, Ottawa, 1986" wurde ein positives Verständnis von Gesundheit in den Vordergrund gerückt, mit dem die Bedeutung einer gezielten Förderung der physischen Gesundheitsressourcen ebenso betont wird wie jene der psychischen und sozialen Ressourcen. Gesundheitsressourcen sind dabei solche Faktoren, die Menschen gesund erhalten. Gut ausgebildete Gesundheitsressourcen versetzen Menschen in die Lage, auf Anforderungen mit einer hohen Leistungs- und Widerstandsfähigkeit zu reagieren sowie das Befinden und die soziale Einbindung selbst positiv zu regulieren (in Richtung eines umfassenden Wohlbefindens). Als zentral für jede Stärkung der physischen, psychischen und sozialen Ressourcen gelten dabei einerseits gesunde Verhältnisse, z.B. ein intaktes soziales Umfeld, andererseits Verhaltensweisen, mit denen die Gesundheit beeinflusst werden kann, insbesondere Bewegung, Ernährung und Hygiene.

Gesundheitsförderung zielt dementsprechend allgemein auf:

  • Gesundheitswirkungen und damit eine systematische Stärkung der Gesundheitsressourcen, verbunden mit einer gezielten Meidung und Minderung von Risikofaktoren sowie mit einer möglichst effektiven Bewältigung von Beschwerden und Missbefinden.
  • Gesundheitsverhalten und damit eine systematische Entwicklung der Fähigkeiten, selbst Kontrolle über die Gesundheit aus­zuüben.
  • Gesunde Verhältnisse und damit auf eine systematische Optimierung der Umweltbedingungen.

Gesundheitsförderung geht damit über Prävention hinaus, die auf Krankheitsverhütung zentriert ist. Durch Prävention sollen entweder spezifische Risikofaktoren für bestimmte Krankheiten vermindert oder Rahmenfaktoren, die die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten verringern, verbessert werden. Gesundheitsförderung zielt darüber hinaus auf umfassendes Wohlbefinden sowie auf Verhaltensweisen und Verhältnisse, die zu einem solchen Wohlbefinden beitragen.

 

Gesundheitssport kann als Element einer so verstandenen Gesundheitsförderung aufgefasst werden. Folgende Kernziele gilt es, in Anlehnung an die allgemeinen Ziele von Gesundheitsförderung, systematisch zu planen und im Rahmen von spezifischen Programmen anzusteuern:

  • Kernziel 1: Die Stärkung physischer Gesundheitsressourcen (Physische Gesundheitswirkungen).
  • Kernziel 2: Die Stärkung psychosozialer Gesundheitsressourcen (Psychosoziale Gesundheitswirkungen).
  • Kernziel 3: Die Verminderung von Risikofaktoren (Physische Gesundheitswirkungen).
  • Kernziel 4: Die Bewältigung von Beschwerden und Missbefinden (Psycho-physische Gesundheitswirkungen).
  • Kernziel 5: Der Aufbau von Bindung an gesundheitssportliche Aktivität (Verhaltenswirkungen).
  • Kernziel 6: Eine Verbesserung der Bewegungsverhältnisse (Verhältniswirkungen).

 

Sportliche Aktivitäten aus den Bereichen Wettkampfsport, Funsport, Fitnesssport etc. können zwar auch in irgendeiner Form gesund sein, sind damit aber noch kein Gesundheitssport. Gleichwohl können Elemente aus diesen Bereichen in Gesundheitssportprogramme sinnvoll integriert werden.

 

Kernziel 1 „Stärkung physischer Gesundheitsressourcen“:

Dieses Ziel steht im Vordergrund der meisten Gesundheitssportprogramme. Eine systematische Aktivierung des Muskelsystems löst dabei komplexe Anpassungsprozesse des gesamten Organismus aus und kann so dazu beitragen, diesen widerstandsfähig und gesund zu halten. Dies gilt für das Halte- und Bewegungssystem ebenso wie für das Herz-Kreislaufsystem sowie für die meisten anderen inneren Organe und physischen Funktionsbereiche. Zum Beispiel ist bei einem wöchentlichen Energieverbrauch durch Muskelaktivität von etwa 1000 kcal das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen signifikant geringer, es werden weniger körperliche Beschwerden wahrgenommen und der Arzt bewertet solche Personen im Durchschnitt als gesünder. Weitgehende Einigkeit besteht derzeit darüber, dass eine grundlegende muskuläre Aktivierung auf folgende fünf Bereiche abzielen sollte: Förderung von Ausdauerfähigkeit, Kraftfähigkeit, Dehnfähigkeit, Koordinationsfähigkeit sowie Entspannungsfähigkeit. Diese fünf zentralen Fähigkeitsbereiche sind über die gesamte Lebensspanne durch entsprechend gezielte Anforderungen trainierbar, d.h. die Körpersysteme passen sich funktionsbezogen an die Anforderungen an.

Die Belastungsgestaltung zur Förderung dieser gesundheitsrelevanten Fähigkeitsaspekte zeichnet sich aus durch Zielgerichtetheit (hinsichtlich der fünf Fähigkeiten), durch das Überschreiten von Schwellenwerten (Intensität, Dauer bzw. Wiederholungszahl) sowie durch Regelmäßigkeit (Häufigkeit pro Woche) über lange Zeiträume hinweg (möglichst ein Leben lang). Allgemein gilt das Motto „Fördern durch Fordern“.

Besser als ein Training nur eines einzelnen Fähigkeitsbereichs erscheint dabei ein „Training im Kontext“ (z.B. in einer Übungseinheit), da dadurch gesundheitsrelevante gegenseitige Ergänzungen bzw. Verstärkungen genutzt werden können. Erst durch ein Training im Kontext kann eine globale Gesundheitswirkung erzielt werden. Bezüglich der Intensität reicht ein „sanftes Training“ aus, d.h. die Fähigkeitsbereiche können bei einer subjektiv „mittleren Anstrengung“ bereits effektiv entwickelt werden. Als absolutes Minimum eines gesundheitsorientierten Trainings ist eine einmalige Beanspruchung aller Fähigkeitsbereiche pro Woche anzusehen. Bei einer Addition der notwendigen Zeiteinheiten sind für ein solches „Einmaltraining“ 90 Minuten anzusetzen. Dies entspricht einem durchschnittlichen Energieverbrauch von etwa 600 kcal. Wie ein „Training im Kontext“ aussehen kann, wird in Kapitel 3 an verschiedenen Stundenbeispielen dargestellt.

 

Kernziel 2 „Stärkung von psychosozialen Ressourcen“:

Psychosoziale Gesundheitsressourcen umfassen solche kognitiven, emotionalen und sozialen Potenziale, die einerseits zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen (Wohlbefinden, Körper-, evtl. auch Lebenszufriedenheit) und die andererseits günstige Voraussetzungen zur Bewältigung von gesundheitlichen Belastungen (Beschwerden, Missbefinden, Alltagsbelastungen, soziale Konflikte) darstellen. Im Gesundheitssport wurden diese wichtigen Ressourcen bislang eher unsystematisch gestärkt, z.B. wenn die Teilnehmer nach einer Rhythmisierung der Übungen – häufig unterstützt durch Einsatz von Musik – sich wohler fühlten. Eine systematischere Berücksichtigung der psychosozialen Ressourcen bei der Gestaltung von Gesundheitssport ist dabei nicht nur wegen der Chancen zur Verbesserung der Lebensqualität wesentlich. In der Zwischenzeit kann es als gesichert gelten, dass eine systematische Stärkung psychosozialer Ressourcen auch entscheidend zur Bindung an gesundheitssportlicher Aktivität beiträgt, d.h. zur regelmäßigen Durchführung und langfristigen Aufrechterhaltung dieser Gesundheitsverhaltensweise.

Ein Grund für die unzureichende Systematik in diesem Bereich war die Unklarheit, die lange Zeit darüber herrschte, welche konkreten Aspekte mit welchen Inhalten und Methoden bei der Durchführung von Gesundheitssport effektiv gestärkt werden können. Auch wenn diese Diskussion bis heute noch nicht abgeschlossen ist, so haben sich doch folgende Aspekte als relativ unstrittig herauskristallisiert:

  • Stimmungsmanagement zur Verbessrung des Wohlbefindens;
  • Vermittlung von Handlungs- und Effektwissen zur kompetenten Durchführung von gesundheitssportlicher Aktivität;
  • Stärkung von Kompetenzerwartungen (Selbstwirksamkeit) zum selbstsicheren Umgang mit den Barrieren, die im Alltag einer regelmäßigen Ausübung gesundheitssportlicher Aktivitäten entgegenstehen (z.B. das Gefühl, keine Zeit zu haben oder einer körperlichen Anforderung nicht gewachsen zu sein).
  • Konkretisierung und Differenzierung von Konsequenzerwartungen, um realistische und erreichbare Handlungsziele für die gesundheitssportliche Aktivität herauszukristallisieren.
  • Entwicklung eines positiven Selbst- und Körperkonzepts, um mit sich selbst besser klar zu kommen und um eine positive emotionale Beziehung zum eigenen Körper aufzubauen.
  • Förderung und Erfahrung von sozialen Ressourcen, um sich in der Gruppe wohlzufühlen, aber auch um mehr Sicherheiten im Umgang mit anderen zu bekommen.

Wie psychosoziale Ressourcen im Gesundheitssport gefördert werden können ist nachzulesen bei Brehm et al. (2002).

 

Kernziel 3 „Verminderung von Risikofaktoren“:

Aus den vorliegenden Studien wird deutlich, dass körperliche Fitness bzw. eine regelmäßige körperliche Beanspruchung von mindestens 800 kcal/Woche - besser 1000 bis 1500 kcal/Woche - entscheidend zur Meidung und Minderung von Risikofaktoren beitragen. Dies gilt einerseits für die Risikofaktoren, die im Metabolischen Syndrom zusammengefasst sind (u.a. Bluthochdruck, erhöhte Blutzuckerwerte, Störungen des Fettstoffwechsels, Übergewicht) und darüber hinaus auch für weitere Risikofaktoren, insbesondere (neuro-)muskuläre Dysbalancen.

 

Kernziel 4 „Bewältigung von Beschwerden und Missbefinden“:

Der bisherige Forschungsstand zeigt, dass durch eine sportliche Aktivierung, die systematisch auf eine Stärkung der physischen sowie der psychosozialen Gesundheitsressourcen ausgerichtet ist, bei der Gruppe der durch Beschwerden belasteten Personen gleichzeitig eine Verminderung dieser Gesundheitsprobleme erreicht werden kann. Insbesondere eine problemzentrierte körperliche Beanspruchung kann bei einer Reihe von Beschwerden, von denen z.T. große Bevölkerungsgruppen betroffen sind (z.B. Rückenprobleme), auch zur Bewältigung dieser Beschwerden beitragen.

 

Kernziel 5 „Bindung an gesundheitssportliche Aktivität“:

Bindung bedeutet die regelmäßige Durchführung von gesundheitssportlichen Aktivitäten sowie das langfristige Dabeibleiben. Für die Planung und Durchführung von Gesundheitssportprogrammen erscheint beim gegenwärtigen Kenntnisstand besonders wesentlich:

  • Eine Reduzierung vorhandener Teilnahmebarrieren durch eine Einbeziehung der Voraussetzungen der Teilnehmer (z.B. Übergewicht, Beschwerden, Riskikofaktoren). Eine solche Einbeziehung ist wichtig bei der gezielten Ansprache (z.B. durch den Arzt), bei der Gruppenbildung (z.B. im Hinblick auf spezifische Beschwerden) und bei der Gestaltung der Einheiten (z.B. problemzentrierter Bezug zu Rückenbeschwerden).
  • Eine Reduzierung vorhandener Teilnahmebarrieren durch eine Meidung von zeitlichen und körperlichen Überforderungen (z.B. nur ein Termin pro Woche, nicht mehr als zwei Stunden Zeitaufwand, sanfte Beanspruchung).
  • Eine möglichst kontinuierliche Stärkung von emotionalen, motivationalen, kognitiven sowie sozialen Gesundheitsressourcen .

Bei der Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Verhaltensintervention sollten diese sowie weitere Merkmale (z.B. professioneller Kontext) einer erfolgreichen Bindung berücksichtigt werden. Angestrebt werden sollte im ersten Jahr normalerweise nicht mehr als ein regelmäßig realisierter Termin pro Woche bzw. 90 Minuten regelmäßig durchgeführte sportliche Aktivität pro Woche.

 

Kernziel 6 „Verbesserung der Bewegungsverhältnisse“:

Seit Beginn der 90er Jahre wird vermehrt gefordert, dass eine effektive, bewegungszentrierte Gesundheitsförderung, über verhaltensbezogene Interventionen hinaus, auch an den Verhältnissen der Lebens- und insbesondere der Bewegungsbedingungen der Bevölkerung anzusetzen habe. Bewegungsverhältnisse lassen sich vor allem verbessern durch:

  • profilierte Gesundheitssportprogramme;
  • qualifizierte LeiterInnen;
  • adäquate Räumlichkeiten und Geräte;
  • kommunale und regionale Vernetzung sowie Kooperation;
  • Qualitätssicherung und wissenschaftliche Evaluation.

(aus: TITTELBACH, KURZ, HÄRTEL, BREHM & BÖS: Physische Ressourcen. Stärkung von physischen Ressourcen im Gesundheitssport, Frankfurt 2006)


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