Gesundheitssport im NTB

Organisation und Selbstverständnis

 

Gesundheitssport - Ein tolles, aber nicht einfaches Thema für die Vereine!

Die Idee des Gesundheitssports ist schon in den 80er Jahren entstanden. Und wie alles auf der Welt entwickelt sich auch der Gesundheitssport weiter, verändert seine Strukturen und stellt Vereine immer wieder vor neue Herausforderungen. Wie wir den Gesundheitssport sehen, weißt du von den Ausbildungen. Wenn du es nocheinmal nachlesen möchtest, dann kannst du das gerne hier nachholen:

Gesundheitssport - Warum denn "nicht einfach?"

Dabei geht es zum einen in den Übungsstunden um eines der wichtigsten Güter der Bevölkerung, ihrer Gesundheit. Die Übungsleitung trägt in der Halle oder draußen die Verantwortung für ein selbstbestimmteres Leben der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Auf Seiten der Organisation bedeuten Gesundheitssportangebote dann etwas mehr Aufwand, wenn sie in Zusammenarbeit mit den Kostenträgern erfolgen. Genaueres, zu Inhalten und Organisation erfährst du, wenn du rechts auf die Reiter "Sport in der Prävention", "Sport in der Nachsorge" oder "Gesundheit im kommunalen Setting" klickst. Oder du kontaktierst uns direkt. Zusammen schaffen wir auch die Hindernisse, die unüberwindbar scheinen.

Allen Gesundheitssportangeboten gemein sind jedoch die Befolgung der sechs Kernziele:

  • Kernziel 1: Stärkung physischer Gesundheitsressourcen

    Dieses Ziel steht im Vordergrund der meisten Gesundheitssportprogramme. Eine systematische Aktivierung des Muskelsystems löst dabei komplexe Anpassungsprozesse des gesamten Organismus aus und kann so dazu beitragen, diesen widerstandsfähig und gesund zu halten. Dies gilt für das Halte- und Bewegungssystem ebenso wie für das Herz-Kreislaufsystem sowie für die meisten anderen inneren Organe und physischen Funktionsbereiche. Zum Beispiel ist bei einem wöchentlichen Energieverbrauch durch Muskelaktivität von etwa 1000 kcal das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen signifikant geringer, es werden weniger körperliche Beschwerden wahrgenommen und der Arzt bewertet solche Personen im Durchschnitt als gesünder. Weitgehende Einigkeit besteht derzeit darüber, dass eine grundlegende muskuläre Aktivierung auf folgende fünf Bereiche abzielen sollte: Förderung von Ausdauerfähigkeit, Kraftfähigkeit, Dehnfähigkeit, Koordinationsfähigkeit sowie Entspannungsfähigkeit. Diese fünf zentralen Fähigkeitsbereiche sind über die gesamte Lebensspanne durch entsprechend gezielte Anforderungen trainierbar, d.h. die Körpersysteme passen sich funktionsbezogen an die Anforderungen an.

    Die Belastungsgestaltung zur Förderung dieser gesundheitsrelevanten Fähigkeitsaspekte zeichnet sich aus durch Zielgerichtetheit (hinsichtlich der fünf Fähigkeiten), durch das Überschreiten von Schwellenwerten (Intensität, Dauer bzw. Wiederholungszahl) sowie durch Regelmäßigkeit (Häufigkeit pro Woche) über lange Zeiträume hinweg (möglichst ein Leben lang). Allgemein gilt das Motto „Fördern durch Fordern“.

    Besser als ein Training nur eines einzelnen Fähigkeitsbereichs erscheint dabei ein „Training im Kontext“ (z.B. in einer Übungseinheit), da dadurch gesundheitsrelevante gegenseitige Ergänzungen bzw. Verstärkungen genutzt werden können. Erst durch ein Training im Kontext kann eine globale Gesundheitswirkung erzielt werden. Bezüglich der Intensität reicht ein „sanftes Training“ aus, d.h. die Fähigkeitsbereiche können bei einer subjektiv „mittleren Anstrengung“ bereits effektiv entwickelt werden. Als absolutes Minimum eines gesundheitsorientierten Trainings ist eine einmalige Beanspruchung aller Fähigkeitsbereiche pro Woche anzusehen. Bei einer Addition der notwendigen Zeiteinheiten sind für ein solches „Einmaltraining“ 90 Minuten anzusetzen. Dies entspricht einem durchschnittlichen Energieverbrauch von etwa 600 kcal. Wie ein „Training im Kontext“ aussehen kann, wird in Kapitel 3 an verschiedenen Stundenbeispielen dargestellt.

  • Kernziel 2: Stärkung psychosozialer Ressourcen

    Psychosoziale Gesundheitsressourcen umfassen solche kognitiven, emotionalen und sozialen Potenziale, die einerseits zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen (Wohlbefinden, Körper-, evtl. auch Lebenszufriedenheit) und die andererseits günstige Voraussetzungen zur Bewältigung von gesundheitlichen Belastungen (Beschwerden, Missbefinden, Alltagsbelastungen, soziale Konflikte) darstellen. Im Gesundheitssport wurden diese wichtigen Ressourcen bislang eher unsystematisch gestärkt, z.B. wenn die Teilnehmer nach einer Rhythmisierung der Übungen – häufig unterstützt durch Einsatz von Musik – sich wohler fühlten. Eine systematischere Berücksichtigung der psychosozialen Ressourcen bei der Gestaltung von Gesundheitssport ist dabei nicht nur wegen der Chancen zur Verbesserung der Lebensqualität wesentlich. In der Zwischenzeit kann es als gesichert gelten, dass eine systematische Stärkung psychosozialer Ressourcen auch entscheidend zur Bindung an gesundheitssportlicher Aktivität beiträgt, d.h. zur regelmäßigen Durchführung und langfristigen Aufrechterhaltung dieser Gesundheitsverhaltensweise.

    Ein Grund für die unzureichende Systematik in diesem Bereich war die Unklarheit, die lange Zeit darüber herrschte, welche konkreten Aspekte mit welchen Inhalten und Methoden bei der Durchführung von Gesundheitssport effektiv gestärkt werden können. Auch wenn diese Diskussion bis heute noch nicht abgeschlossen ist, so haben sich doch folgende Aspekte als relativ unstrittig herauskristallisiert:

    • Stimmungsmanagement zur Verbessrung des Wohlbefindens;
    • Vermittlung von Handlungs- und Effektwissen zur kompetenten Durchführung von gesundheitssportlicher Aktivität;
    • Stärkung von Kompetenzerwartungen (Selbstwirksamkeit) zum selbstsicheren Umgang mit den Barrieren, die im Alltag einer regelmäßigen Ausübung gesundheitssportlicher Aktivitäten entgegenstehen (z.B. das Gefühl, keine Zeit zu haben oder einer körperlichen Anforderung nicht gewachsen zu sein).
    • Konkretisierung und Differenzierung von Konsequenzerwartungen, um realistische und erreichbare Handlungsziele für die gesundheitssportliche Aktivität herauszukristallisieren.
    • Entwicklung eines positiven Selbst- und Körperkonzepts, um mit sich selbst besser klar zu kommen und um eine positive emotionale Beziehung zum eigenen Körper aufzubauen.
    • Förderung und Erfahrung von sozialen Ressourcen, um sich in der Gruppe wohlzufühlen, aber auch um mehr Sicherheiten im Umgang mit anderen zu bekommen.

    Wie psychosoziale Ressourcen im Gesundheitssport gefördert werden können ist nachzulesen bei Brehm et al. (2002).

  • Kernziel 3: Verminderung von Risikofaktoren

    Aus den vorliegenden Studien wird deutlich, dass körperliche Fitness bzw. eine regelmäßige körperliche Beanspruchung von mindestens 800 kcal/Woche - besser 1000 bis 1500 kcal/Woche - entscheidend zur Meidung und Minderung von Risikofaktoren beitragen. Dies gilt einerseits für die Risikofaktoren, die im Metabolischen Syndrom zusammengefasst sind (u.a. Bluthochdruck, erhöhte Blutzuckerwerte, Störungen des Fettstoffwechsels, Übergewicht) und darüber hinaus auch für weitere Risikofaktoren, insbesondere (neuro-)muskuläre Dysbalancen.

  • Kernziel 4: Bewältigung von Beschwerden und Missempfinden

    Der bisherige Forschungsstand zeigt, dass durch eine sportliche Aktivierung, die systematisch auf eine Stärkung der physischen sowie der psychosozialen Gesundheitsressourcen ausgerichtet ist, bei der Gruppe der durch Beschwerden belasteten Personen gleichzeitig eine Verminderung dieser Gesundheitsprobleme erreicht werden kann. Insbesondere eine problemzentrierte körperliche Beanspruchung kann bei einer Reihe von Beschwerden, von denen z.T. große Bevölkerungsgruppen betroffen sind (z.B. Rückenprobleme), auch zur Bewältigung dieser Beschwerden beitragen.

  • Kernziel 5: Bindung an gesundheitssportliche Aktivität

    Bindung bedeutet die regelmäßige Durchführung von gesundheitssportlichen Aktivitäten sowie das langfristige Dabeibleiben. Für die Planung und Durchführung von Gesundheitssportprogrammen erscheint beim gegenwärtigen Kenntnisstand besonders wesentlich:

    • Eine Reduzierung vorhandener Teilnahmebarrieren durch eine Einbeziehung der Voraussetzungen der Teilnehmer (z.B. Übergewicht, Beschwerden, Riskikofaktoren). Eine solche Einbeziehung ist wichtig bei der gezielten Ansprache (z.B. durch den Arzt), bei der Gruppenbildung (z.B. im Hinblick auf spezifische Beschwerden) und bei der Gestaltung der Einheiten (z.B. problemzentrierter Bezug zu Rückenbeschwerden).
    • Eine Reduzierung vorhandener Teilnahmebarrieren durch eine Meidung von zeitlichen und körperlichen Überforderungen (z.B. nur ein Termin pro Woche, nicht mehr als zwei Stunden Zeitaufwand, sanfte Beanspruchung).
    • Eine möglichst kontinuierliche Stärkung von emotionalen, motivationalen, kognitiven sowie sozialen Gesundheitsressourcen .

    Bei der Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Verhaltensintervention sollten diese sowie weitere Merkmale (z.B. professioneller Kontext) einer erfolgreichen Bindung berücksichtigt werden. Angestrebt werden sollte im ersten Jahr normalerweise nicht mehr als ein regelmäßig realisierter Termin pro Woche bzw. 90 Minuten regelmäßig durchgeführte sportliche Aktivität pro Woche.

  • Kernziel 6: Verbesserung der Beweungsverhältnisse

    Seit Beginn der 90er Jahre wird vermehrt gefordert, dass eine effektive, bewegungszentrierte Gesundheitsförderung, über verhaltensbezogene Interventionen hinaus, auch an den Verhältnissen der Lebens- und insbesondere der Bewegungsbedingungen der Bevölkerung anzusetzen habe. Bewegungsverhältnisse lassen sich vor allem verbessern durch:

    • profilierte Gesundheitssportprogramme;
    • qualifizierte LeiterInnen;
    • adäquate Räumlichkeiten und Geräte;
    • kommunale und regionale Vernetzung sowie Kooperation;
    • Qualitätssicherung und wissenschaftliche Evaluation.

    (aus: TITTELBACH, KURZ, HÄRTEL, BREHM & BÖS: Physische Ressourcen. Stärkung von physischen Ressourcen im Gesundheitssport, Frankfurt 2006)


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